Astrid Brandt - Bleistift Papier

 

Die Bilder lassen uns in der Schwebe von Befremden, ja Fremdheit, beinahe Abgestoßensein von der Anonymität und Kühle  und gleichzeitigem Angezogensein von der Reinheit, Klarheit und dadurch vermittelten Ruhe und Dauer. Die Bildwelt erscheint hermetisch, denn es gibt stets nur ein Drinnen, das Draußen – etwa in den holländischen Interieurs des 17. Jahrhunderts immer noch durch Ausblicke und hereinfließendes göttliches Licht präsent – ist weitgehend ausgesperrt. Türen sind verschlossen, Durchgänge abgeschnitten, Treppen haben kein sichtbares Ziel, wo es Fenster gibt, schimmert bloß indifferente, gegenlichtartige Helligkeit, die keine Schatten bildet. Stattdessen finden sich oft Lampen, Heizkörper, als gleichsam zivilisatorische, also künstliche Licht- und Wärmequellen.

Was wir in den Bildern sehen, sind keine Naturdinge, nichts ist gewachsen, alles ist gemacht, gefertigt mit der Perfektion, die nur die Wiederholung des immer Gleichen in der Industrieproduktion zulässt. Es sind Gegenstände, mit denen sich der Mensch umstellt hat, die Rationalität ausdrücken, durchdachte Konstruktion und Produktion, ja, technische Intelligenz – aber auch Banalität. Eine Welt, in der die Dinge, die der Mensch geschaffen hat, in ihrer Verlassenheit ein Eigenleben zu führen beginnen, wie in der Zeichnung „Der sichtbare Dritte“, wo scheinbar die Möbel in einen Dialog treten und plötzlich eine Geschichte erzählen.